Mythos Getreide im Hundefutter: Ist Getreide wirklich schädlich?

Kaum ein Thema spaltet die Hundewelt so sehr wie Getreide im Futter. Wir räumen mit den häufigsten Mythen auf und erklären, was wirklich hinter der Getreide-Debatte steckt.

Die Getreide-Debatte: Warum sie uns spaltet

Wenn du dich schon einmal mit der Frage beschäftigt hast, welches Futter du deinem Hund geben sollst, bist du garantiert über die Frage gestolpert: Getreide ja oder nein? In den Regalen der Fachmärkte und Online-Shops findest du unzählige Produkte, die mit "getreidefrei" werben, als wäre diese Eigenschaft das Nonplusultra der Hundeernährung. Aber woher kommt diese vehemente Abneigung gegen Getreide eigentlich?

Die Antwort liegt in einer geschickten Marketingstrategie, die Anfang der 2000er Jahre ihren Anfang nahm. Damals erkannten einige Hersteller, dass sie sich durch das Attribut "getreidefrei" von der Masse abheben und höhere Preise erzielen konnten. Der Mythos, dass Getreide für Hunde ungesund oder sogar schädlich sei, wurde systematisch verbreitet – wissenschaftliche Belege dafür gab und gibt es jedoch kaum. Tatsächlich ernähren sich Menschen seit Jahrtausenden von Getreideprodukten, und auch unsere Hunde haben sich im Laufe der Jahrtausende daran angepasst.

In diesem Artikel nehmen wir die wichtigsten Mythen unter die Lupe und klären anhand wissenschaftlicher Erkenntnisse, was wirklich Sache ist. Denn eines vorweg: Die Wahrheit ist deutlich differenzierter, als uns manche Werbeversprechen glauben machen wollen.

Mythos 1: Getreide ist für Hunde völlig unnatürlich

Der erste und wohl hartnäckigste Mythos lautet: Hunde sind carnivor und sollten niemals Getreide zu sich nehmen. Schließlich stammen sie vom Wolf ab, und Wölfe fressen keine Getreideflocken. Diese Argumentation klingt zunächst einleuchtend, übersieht aber einen entscheidenden Punkt: Hunde sind keine Wölfe.

Genetische Studien haben gezeigt, dass sich Hunde vor etwa 15.000 bis 30.000 Jahren vom Wolf abspalteten und seitdem eine eigene evolutionäre Entwicklung durchgemachen. In dieser Zeit passten sie sich an eine andere Ernährung an – insbesondere an die menschliche Nahrung, die seit der Entstehung der Landwirtschaft reichlich Getreide enthielt. Wissenschaftler fanden beim Hund bestimmte Gene, die ihm helfen, Stärke (den Hauptbestandteil von Getreide) effizienter zu verdauen als es Wölfe können. Diese genetische Anpassung ist ein klares Zeichen dafür, dass Getreide durchaus Teil einer artgerechten Hundeernährung sein kann.

Der Beweis dafür, dass Hunde Getreide verdauen können, liegt buchstäblich in ihren Genen. Die Amylase-Enzyme, die für die Stärkeaufnahme zuständig sind, kommen bei Hunden in weitaus höherer Konzentration vor als bei Wölfen. Das bedeutet: Dein Hund ist evolutionär bestens gerüstet, um Getreide zu verwerten – ganz im Gegensatz zu Katzen, die tatsächlich obligate Carnivoren sind und Getreide nur schwer verarbeiten können.

Mythos 2: Getreide verursacht die meisten Allergien beim Hund

Wenn es um Futtermittelallergien bei Hunden geht, wird Getreide häufig als Hauptübeltäter dargestellt. Die Marketingaussagen vieler getreidefreier Futtermittel suggerieren, dass Getreide der mit Abstand häufigste Auslöser für allergische Reaktionen beim Hund sei. Doch diese Behauptung hält einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht stand.

Studien zur Futtermittelallergie zeigen ein klares Bild: Die häufigsten Allergene bei Hunden sind nicht Getreide, sondern tierische Proteine. Rindfleisch, Huhn, Lamm und Milchprodukte stehen weit oben auf der Liste der Problemstoffe. Getreidearten wie Weizen, Reis oder Mais sind zwar nicht völlig harmlos, verursachen jedoch weitaus seltener allergische Reaktionen als tierische Proteinquellen. Eine Studie der Universität München kam zu dem Ergebnis, dass nur etwa 10-15% aller Futtermittelallergien auf Getreide zurückzuführen sind, während über 60% durch tierische Proteine ausgelöst werden.

Das bedeutet nicht, dass Getreideallergie inexistent ist – sie existiert durchaus und betrifft einige Hunde. Aber pauschal alle Getreidearten über einen Kamm zu scheren und als Allergieauslöser Nummer eins zu verteufeln, ist schlichtweg falsch. Wenn dein Hund tatsächlich unter einer Futtermittelallergie leidet, solltest du in Absprache mit einem Tierarzt eine systematische Eliminationsdiät durchführen, um den tatsächlichen Auslöser zu identifizieren – ganz gleich ob dieser am Ende im Futtertrog landet.

Mythos 3: Getreidefreies Futter ist automatisch hochwertiger

Viele Hundebesitzer verbinden "getreidefrei" automatisch mit "Premium-Qualität". Schließlich sind getreidefreie Produkte oft teurer und werden mit hochtrabenden Begriffen wie "biologisch artgerecht" oder "natürlich" beworben. Doch diese Assoziation ist ein klassischer Fall von Marketing, das unsere Kaufentscheidungen lenkt, ohne dass wir es merken.

Die Qualität eines Hundefutters bemisst sich an zahlreichen Faktoren: der Herkunft und Verarbeitung der Zutaten, dem Gesamtgehalt an verdaulichen Nährstoffen, dem Verhältnis von Protein zu Kohlenhydraten, dem Gehalt an Vitaminen und Mineralstoffen und vielem mehr. Ob Getreide enthalten ist oder nicht, ist lediglich ein einzelner Aspekt unter vielen – und bei weitem nicht der wichtigste. Ein hochwertiges Futter mit Getreide kann qualitativ deutlich besser sein als ein minderwertiges getreidefreies Produkt.

Schauen wir uns als Beispiel das Royal Canin Medium Adult an: Dieses Futter enthält Getreide und kostet 52 Euro für 15 Kilogramm. Es punktet mit einer ausgewogenen Rezeptur, die von Tierärzten empfohlen wird und auf jahrzehntelanger Forschung basiert. Im Gegensatz dazu gibt es getreidefreie Produkte, die mit billigen Füllmitteln wie Erbsenstärke oder Tapioka arbeiten und trotzdem einen stolzen Preis aufrufen. Der Preis allein ist also kein Qualitätsmerkmal – und "getreidefrei" erst recht nicht.

Mythos 4: Getreide macht Hunde dick und träge

Der vierte Mythos, dem wir auf den Grund gehen wollen, behauptet, dass Getreide Hunde fettleibig und träge macht. Kohlenhydrate allgemein und Getreide im Speziellen werden dafür verantwortlich gemacht, dass Vierbeiner an Gewicht zulegen und weniger aktiv werden. Doch diese simple Gleichsetzung greift viel zu kurz.

Die Ursache für Übergewicht bei Hunden ist fast immer eine Kalorienbilanz, die nicht stimmt – sprich: zu viele Kalorien bei zu wenig Bewegung. Ob diese Kalorien aus Getreide, Hülsenfrüchten, Kartoffeln oder Fleisch stammen, ist für die Waage letztlich unerheblich. Ein Hund, der mehr Energie aufnimmt, als er verbraucht, wird zunehmen – egal ob sein Futter Getreide enthält oder nicht. Interessanterweise sind viele getreidefreie Futtermittel sogar kalorienreicher als vergleichbare Produkte mit Getreide, da sie oft höhere Fettanteile aufweisen.

Was die vermeintliche Trägheit angeht: Auch hier spielen Kohlenhydrate eine untergeordnete Rolle. Ein Hund, der zu wenig bewegt und mental unterfordert ist, wird träge – unabhängig von seiner Ernährung. Die Qualität und Menge der Kohlenhydrate beeinflusst das Energielevel deines Hundes kaum. Viel wichtiger ist die Gesamtzusammensetzung des Futters und die individuellen Bedürfnisse deines Tieres. Das Bosch Adult Huhn & Reis beispielsweise liefert mit 26% Protein und 14% Fett eine ausgewogene Nährstoffversorgung, die auch bei aktiven Hunden für konstante Energie sorgt.

Mythos 5: Getreidefreies Futter ist immer besser für die Verdauung

Ein weiterer verbreiteter Glaube besagt, dass der Verdauungstrakt des Hundes mit Getreide überfordert sei und getreidefreie Kost automatisch besser verträglich sei. Diese Behauptung ignoriert jedoch die wissenschaftlichen Fakten zur Hundeverdauung und die langjährige Erfahrung mit Getreide in der Hundeernährung.

Die Realität sieht so aus: Gesunde Hunde können Getreide ohne Weiteres verdauen und verwerten. Die im Futter verwendeten Getreidesorten wie Reis, Mais oder Weizen werden durch den Produktionsprozess (Kochen, Extrudieren) aufgeschlossen und sind dadurch легко verdaulich. Tatsächlich ist Reis eines der bekömmlichsten Getreide überhaupt und wird sogar bei Durchfallerkrankungen empfohlen – übrigens auch von Tierärzten.

Natürlich gibt es Hunde mit empfindlichen Mägen oder nachgewiesenen Unverträglichkeiten, für die getreidefreie Alternativen sinnvoll sein können. Das Rinti Adult Rind & Kartoffeln beispielsweise bietet mit 55% Fleischanteil und komplett getreidefreier Rezeptur eine gute Option für solche Fälle. Aber für die Mehrheit der Hunde gilt: Weder verursacht Getreide automatisch Verdauungsprobleme, noch ist getreidefrei automatisch verträglicher. Die Entscheidung sollte immer individuell und in Absprache mit dem Tierarzt getroffen werden – nicht aufgrund pauschaler Werbeversprechen.

Mythos 6: Billigfutter enthält nur minderwertiges Getreide

Der letzte Mythos, den wir heute entlarven möchten, betrifft die Qualität von Getreide in günstigeren Futtermitteln. Die weit verbreitete Annahme: Je teurer das Futter, desto besser die Zutaten – und umgekehrt. Insbesondere Getreide in Billigfutter soll minderwertig, schwer verdaulich oder sogar gesundheitsschädlich sein.

Diese Schwarz-Weiß-Malerei entspricht nicht der Realität. Die Qualität eines Futters hängt von zahlreichen Faktoren ab, die sich nicht am Preis allein ablesen lassen. Günstiges Getreide kann durchaus von akzeptabler Qualität sein, während teures Getreide nicht automatisch besser ist. Viel entscheidender ist die Gesamtformulierung des Futters: Wie hoch ist der Anteil hochwertiger Proteinquellen? Sind die Zutaten transparent deklariert? Wie sieht das Verhältnis von Nährstoffen aus?

Das Bosch Adult Huhn & Reis für 34,99 Euro pro 15-Kilogramm-Sack ist ein gutes Beispiel dafür, dass Qualität nicht unbezahlbar sein muss. Die deutsche Marke überzeugt mit transparenter Deklaration, hochwertigen tierischen Proteinquellen und einer Rezeptur, die von vielen Hundebesitzern als gut verträglich gelobt wird. Der moderate Preis bedeutet nicht automatisch minderwertige Zutaten – vielmehr profitiert der Verbraucher von effizienteren Produktionsprozessen und einem bewussten Verzicht auf überzogene Marketingbudgets.

Wann getreidefreies Futter wirklich sinnvoll ist

Nachdem wir nun die wichtigsten Mythen entkräftet haben, soll fairerweise auch gesagt werden: Es gibt durchaus Situationen, in denen getreidefreies Futter die bessere Wahl sein kann. Die Wissenschaft kennt Fälle von Getreideunverträglichkeiten, auch wenn sie seltener sind als Allergien gegen tierische Proteine. Einige Hunde zeigen nachweisbare Symptome wie juckende Haut, Ohrentzündungen oder Verdauungsprobleme, die sich nach Umstellung auf getreidefreie Kost bessern.

Auch bestimmte Rassen oder Linien können genetisch bedingte Veranlagungen für Getreideunverträglichkeiten aufweisen. Wenn du den Verdacht hast, dass dein Hund auf Getreide reagiert, ist der erste Schritt der Besuch beim Tierarzt. Dort kann eine Eliminationsdiät durchgeführt werden, die Gewissheit bringt. Denn eines ist klar: Eine pauschale Futterumstellung ohne ärztliche Absprache ist nicht der richtige Weg.

Für gesunde Hunde ohne jegliche Symptome ist die Frage "Getreide ja oder nein" letztlich eine Frage der persönlichen Präferenz und der individuellen Verträglichkeit. Beides – Getreidefutter und getreidefreies Futter – kann Teil einer gesunden Hundeernährung sein. Die Qualität der Zutaten, die Transparenz der Deklaration und die Abstimmung auf die individuellen Bedürfnisse deines Hundes sind weitaus wichtiger als das bloße Vorhandensein oder Fehlen von Getreide.

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